Wien
Österreichische Gegenwartsliteratur: Rezensionen, Autoren und Lesungen
Eine Zeitschrift über Literatur aus Österreich: was erscheint, wer es schreibt und an welchen Orten daraus vorgelesen wird.
Sieben Besprechungen, drei Porträts, vier Buchhandlungen und vier Literaturhäuser.
IWie die Rezensionen hier entstehen
Gelesen wird, was im deutschsprachigen Raum erscheint und einen österreichischen Bezug hat, über die Autorin, über den Schauplatz oder über den Stoff. Daraus wird kein Kanon und keine Bestenliste. Die Auswahl folgt dem, was tatsächlich auf dem Tisch liegt, und jede Besprechung sagt, worum es in dem Buch geht, wie es gebaut ist und für wen es sich lohnt.
Wer Rezensionen österreichischer Romane sucht, findet hier eher die ruhigen Titel als die lauten. Viele davon sind in kleinen Häusern erschienen, in Auflagen, die keine Werbebudgets tragen. Genau dort liegt der Teil der österreichischen Gegenwartsliteratur, der im Buchhandel schnell wieder aus dem Blickfeld gerät, und genau deshalb steht er hier vorne.
Jede Besprechung nennt Form, Umfang und Erscheinungsjahr, damit klar ist, worüber gesprochen wird. Was ein Buch kostet, steht nicht dabei. Preise ändern sich, Angaben dazu veralten, und eine Seite, die Bücher bespricht, muss keine Kasse führen.
IIZuletzt besprochen
- Über allem war LichtMagda WoitzuckRoman, 2015
- Ich Dylan IchPeter WawerzinekRoman, 2015
- Der Mann im GoldrahmenJudith Gruber-RizyRoman, 2016
- Rot wie SchneeVolker KaminskiRoman, 2016
- Schmidt ist totRaoul BiltgenKriminalroman, 2017
- WassermannMaria SternKriminalroman, 2018
- Was das Leben willBina KratschRoman, 2019
IIIAutoren und Autorinnen im Porträt
Hinter den Büchern stehen Menschen mit sehr unterschiedlichen Wegen. Eine Slawistin aus Salzburg, eine Lyrikerin, die ebenso mit Video und Fotografie arbeitet, eine ehemalige Musikjournalistin, die eine Jazz-Zeitschrift gegründet hat. Die Porträts halten fest, was belegbar ist: Herkunft, Ausbildung, Arbeitsfelder, Veröffentlichungen.
Was sie nicht tun, ist Leben und Werk kurzzuschließen. Dass eine Autorin einen Lyrikpreis organisiert, erklärt kein Gedicht. Die Angaben stehen da, weil sie einordnen helfen, nicht weil sie eine Deutung liefern.
- Katharina Johanna Fernergeboren 1991 in SalzburgProsa, Lyrik
- Erika Kronabittergeboren 1959Lyrik, Prosa, bildende Kunst
- Karoline Cvancarageboren 1974 in WienProsa
IVLesungen und Literaturhäuser in Österreich
Literatur aus Österreich lebt zu einem guten Teil von Abenden, an denen jemand vorliest und dreißig Leute zuhören. Die Häuser, die das tragen, sind überschaubar an Zahl und gut zu kennen: die Alte Schmiede und die Österreichische Gesellschaft für Literatur in Wien, das Stifterhaus in Linz, das Literaturhaus Salzburg.
Unter Lesungen stehen diese Häuser mit dem, wofür sie stehen, nicht mit Terminen. Ein Terminkalender auf einer Seite, die niemand täglich pflegt, ist nach zwei Wochen falsch. Wer wissen will, was am Donnerstag gelesen wird, schaut besser beim Haus selbst nach.
Dasselbe gilt für die Buchhandlungen in Wien: hier steht, welches Haus wofür bekannt ist und wo es liegt, nicht wann es aufsperrt.
VKleine Häuser und die österreichische Gegenwartsliteratur
Ein großer Teil der österreichischen Gegenwartsliteratur erscheint in Häusern mit weniger als einer Handvoll Mitarbeitern. Das hat Folgen, die man den Büchern nicht ansieht, dem Buchhandel aber sehr wohl: kleine Erstauflagen, kaum Werbung, wenige Exemplare pro Filiale und eine Verweildauer auf dem Tisch, die sich in Wochen bemisst.
Für die Leserin heißt das, dass Zufall eine größere Rolle spielt, als ihr lieb sein kann. Wer nicht gezielt sucht, findet diese Titel nicht, und wer gezielt sucht, muss wissen, wonach. Genau diese Lücke ist der Grund, warum es Seiten wie diese gibt.
Dazu kommt ein zweiter Effekt. Weil kleine Häuser wenig Vorschusszahlungen leisten können, schreiben die meisten Autorinnen und Autoren neben einem Brotberuf. Das prägt, was entsteht: eher der kurze Roman als der tausendseitige, eher das Buch alle vier Jahre als das jährliche. Wer neue Bücher aus Österreich liest, liest fast immer Literatur, die in Abendstunden entstanden ist.
Das ist keine Klage. Es erklärt nur, warum die Bücher, die hier stehen, selten dick und oft genau sind, und warum die Rezensionen hier eher lang als zahlreich ausfallen.
?Häufige Fragen
Wie kommen die besprochenen Titel zustande?
Besprochen wird, was im deutschsprachigen Raum erscheint und einen österreichischen Bezug hat, sei es über die Autorin, den Schauplatz oder den Stoff. Vollständigkeit ist nicht das Ziel, und eine Bestenliste entsteht daraus ausdrücklich nicht.
Erscheinen die Rezensionen nach einem festen Rhythmus?
Nein. Eine Besprechung erscheint, wenn das Buch gelesen ist. Das dauert bei zweihundert Seiten kürzer als bei dreihundert, und daran ändert ein Redaktionsplan nichts.
Stehen hier auch Preise und Bezugsquellen?
Nein. Preise und Lieferbarkeit ändern sich, Angaben dazu veralten still. Genannt werden Titel, Form, Umfang, Erscheinungsjahr und ISBN, damit ein Buch eindeutig zu finden ist.
Werden auch Lesungen angekündigt?
Einzeltermine nicht. Unter Lesungen stehen die Häuser, die in Wien, Linz und Salzburg regelmäßig Literatur veranstalten, mit dem, wofür sie jeweils bekannt sind.
Warum liegt der Schwerpunkt auf kleinen Häusern?
Weil dort ein großer Teil der österreichischen Gegenwartsliteratur erscheint und weil diese Titel nach wenigen Monaten aus den Auslagen verschwinden, ohne dass viel über sie geschrieben worden wäre.